
Für einen Fotografen, der seit fast einem halben Jahrhundert Akt- und Porträtfotos macht, ist es ein Glücksfall, sein allererstes Modell bei der Präsentation seines Lebenswerks dabei zu haben. Und als Walter Müller und Doris Hellriegel von ihrer - für sie ganz selbstverständlichen - damaligen Zusammenarbeit erzählten, spürten auch die Gäste im Freisener Rathaus diese Offenheit. Die wichtigste Voraussetzung dafür: die Chemie zwischen beiden hat gestimmt, oder wie Walter Müller es formuliert: „Ein Fotograf muss erst die Seele berühren, bevor er den Auslöser drückt.“
Müllers Weggefährte in diesen fünfzig Jahren, Franz Rudolf Klos, Gründer und langjähriger Vorsitzender des Fotoclub Tele Freisen, hat eine einfache Erklärung dafür: „Seine Kamera ist kein Werkzeug der Bewertung, sondern des Respekts. Dass seine Porträts so tief berühren, liegt nicht nur an der Technik oder der perfekten Ausleuchtung. Es liegt an Walter selbst. Seine tiefe innere Ruhe überträgt sich auf die Menschen vor seiner Kamera – sie lassen die Masken fallen, weil sie sich bei ihm sicher fühlen.“
Ein zweiter Aspekt der in Freisen ausgestellten Bilder sei die Perfektion des Lichts. „Walters Werke zeichnen sich durch eine optimale, geradezu meisterhafte Ausleuchtung aus. Er versteht es wie kaum ein Zweiter, Licht nicht nur als Werkzeug zu nutzen, sondern als Pinsel, der Charakter und Tiefe verleiht,“ lobte Klos Walter Müllers Arbeit, der die Porträtgruppe im Fotoclub Tele entscheidend geprägt hat. Er nehme Anfänger an die Hand und teile seine jahrzehntelange Erfahrung geduldig und ohne Arroganz. Damit fördere er die nächste Generation von Fotografen mit genau der sanften Unterstützung, die ihn als Mensch auszeichne.
Auch Steffen Klos, der Vorsitzende des Fotoclubs, lobte ausdrücklich Müllers herausragendes Engagement während seiner 50jährigen Mitgliedschaft, sowohl als Fotograf als auch im Vorstand: „Du hast Unglaubliches für unseren Verein geleistet und die Vereinsgeschichte maßgeblich mitgeschrieben. Du stehst uns mit deinem enormen Erfahrungsschatz zur Seite und wir können uns jederzeit auf dich verlassen.“
Bürgermeister Karl-Josef Scheer überraschte die Gäste mit dem Hinweis, dass unter den Fotos sogar eine Mitarbeiterin als einstiges Modell zu finden sei. Auch diese Facette zeige die Offenheit der Verwaltung und spreche für die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Fotoclub.
Die Ausstellung ist zu den Rathaus - Öffnungszeiten und auch am Wochenende während der Freisener Fototage (26. bis 28. Juni) zu sehen.